24.11.2010

Kortison: Angst ist nicht angebracht

Für eine pauschale Ablehnung von äußerlich anzuwendenden Glukokortikoiden (Kortison) besteht kein Grund. Bei der heutigen Generation dieser Medikamentengruppe gibt es kaum noch Nebenwirkungen. Dennoch sind viele Patienten verunsichert.


Definition
Bei Kortikoiden handelt es sich um in der Nebennierenrinde gebildete Steroidhormone. In einer synthetischen Form hielten sie vor knapp 50 Jahren Einzug in die dermatologische Therapie. Mit der örtlichen (topischen) Anwendung von Kortikoiden auf der Haut bekamen Hautärzte damit erstmals auch ausgeprägte Hauterkrankungen in den Griff.

Besondere Bekanntheit erlangte das Kortison, ein spezielles Hormon der Nebennierenrinde. Noch heute wird es im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Sammelbezeichnung für Kortikoide verwendet.


Historisches
Die Kortisonära begann mit der ersten Synthese, der künstlichen Herstellung von Kortison im Jahre 1955. Schnell verbreitete sich zunächst die innere Anwendung des schwach wirksamen Hydrokortisons. 1958 wurde dann das erste sehr stark wirksame Kortisonpräparat im Medikamentenmarkt eingeführt. Mit ihm gelang der Durchbruch der Kortikoide in der Dermatologie.


Wirkungsweise
Die Wirkung topischer Glukokortikoide, die eine Untergruppe der Kortikoide darstellen, beruht auf ihrer entzündungshemmenden, die Weiterentwicklung von Zellen hemmenden und die körperliche Immunreaktion unterdrückenden Wirkung. Der positive Effekt der Verwendung besteht also darin, dass man Entzündungen schnell und wirksam reduzieren kann. Dem steht allerdings eine antiproliferative, also die Zellentwicklung hemmende, Wirkung gegenüber. Diese führt zu einer Hautverdünnung. Bei langfristigem Einsatz kommt es daher zu sogenannten Hautatrophien, einer Rückbildung des Organs.


Topische Glukokortikoide
Wichtig beim Kortison ist letztlich das jeweilige Wirkprofil. Damit ist gemeint, abzuschätzen, wie stark die entzündungshemmende Wirkung im Vergleich zur antiproliferativen ist. Dieses Verhältnis ist nicht veränderbar. Jedes Präparat hat sein spezifisches Wirkprofil, das unabhängig von der Konzentration bei der Anwendung gilt.


Superpotente Kortikoide
In den 60ern und 70ern brachte die Anwendung der superpotenten Kotikoide nicht nur blendende Therapieerfolge. Gleichermaßen traten erhebliche Nebenwirkungen zu Tage. Diese führten zu einer noch heute andauernden Angst vor Kortison. Inzwischen kam es aber zur Entwicklung von Substanzen mit deutlich verbessertem Nutzen-Risiko-Verhältnis. Mittlerweile existieren die so genannten Kortikoide der vierten Generation. Diese Präparate weisen ein im Vergleich zur ersten Generation derart verbessertes Wirkprofil auf, dass eine ablehnende Einstellung gegenüber Kortison nicht mehr zu rechtfertigen ist. Das Kortison von heute ist ein Arzneistoff, der als Vorstufe des eigentlichen Wirkstoffs dem Körper zugeführt wird. Erst im menschlichen Organismus wird der Wirkstoff durch körpereigene Vorgänge zur eigentlichen Wirkform umgewandelt.

Diese spezielle Eigenschaft aktuell eingesetzter topischer Kortikoide (die sogenannte Prodrug-Eigenschaft) ermöglicht es, viele negative Effekte der Kortisontherapie zu reduzieren.


Neue Präparate
Die neuen Präparate weisen damit deutlich bessere Verträglichkeitseigenschaften auf: sie dringen einerseits leichter in die Haut ein, und sie besitzen andererseits auch hervorragende entzündungshemmende Eigenschaften. Dabei hemmen sie die Zellentwicklung nur noch in geringem Maße. Der Nutzen des Einsatzes topischer Kortikoide liegt damit deutlich über den Risiken.

Insofern entbehrt eine Kortisonangst aus moderner Sicht jeder Begründung. Vielmehr lassen sich bei korrektem Einsatz gerade mit der heutigen Präparategeneration die unerwünschten Wirkungen minimieren und der therapeutische Erfolg maximieren. Für eine pauschale Ablehnung von Kortison in der dermatologischen Therapeutik besteht daher überhaupt keine Veranlassung.


Einsatzgebiete
Topische Glukokortikoide sind bei nahezu allen Ekzemen einsetzbar. Das Spektrum reicht von der akuten toxischen Kontaktdermatitis über die allergische Kontaktdermatitis bis zur münzförmigen Hautentzündung. Aber auch Neurodermitis und die seborrhoidische Dermatitis, eine durch Talgdrüsen bedingte Hautentzündung, kommen in Betracht. Allerdings kann man nicht einfach irgendein Hautleiden mit Kortison behandeln. Vor jeder Behandlung ist eine klare Diagnose zu stellen.

Wichtig ist, welche Körperstelle behandelt werden soll. Der behaarte Kopf sowie Hand- und Fußflächen sind dich und relativ unempfindlich gegenüber Kortison. Dagegen ist die Haut im Genitalbereich, am Hals oder in den Leisten extrem dünn und sehr empfindlich. Das Gesicht sollte möglichst nur kurz mit Kortison behandelt werden.

Da jeder Kortisonsalbe langfristig zu Hautatrophien führt, darf eine Kortisontherapie keine Dauertherapie sein. Die Behandlung sollte nicht länger als ein bis drei Wochen dauern. Als sehr günstig hat sich eine Intervalltherapie herausgestellt - am Beginn mehrmals täglich und dann langsam ausschleichend, am besten mit einer kortisonfreien Nachbehandlung.


Kontraindikationen
Pilzinfektionen sind eine Kontraindikation. Häufig werden sie als Ekzeme fehldiagnostiziert und mit topischen Kortikoiden behandelt. Die Salben unterdrücken zwar das Ekzem, aber der Pilz wächst weiter. Das kann zu einer Pilzinfektion führen, die nicht mehr richtig erkennbar ist und auch nur schlecht abheilt. Weiterhin sind Gesichtsentzündungen wie die periorale Dermatitis und virale sowie bakterielle Infekte keine Indikation für Kortison.



© 2017 | Privatärztliche und Selbstzahler-Praxis Dr. Thomas Führer & Kollegen | Facharztpraxis für Hautkrankheiten und Allergologie
Dr. med. Thomas Führer | Dr. med. Pia Huber* | Dr. med. Mogan Mahloudjian* | Dr. med. Stefan Cebulla*

*Ärzte in Anstellung

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