24.11.2010

Kortisonfreie Behandlung bei Neurodermitis

Bei der Behandlung von Neurodermitis gehört der gezielte Einsatz von lokal angewandtem Kortison zur Standardbehandlung. Dadurch wird die Hautentzündung unterdrückt. Neue Medikamente erlauben es seit Kurzem, auch ohne Kortison gegen Juckreiz und Ekzeme vorzugehen. Sogar die Ekzemneubildung kann verhindert werden.


Über drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an Neurodermitis. Dabei handelt es sich um eine Hauterkrankung, die mit starkem Juckreiz, Rötung und Schwellung der Haut einhergeht. Besonders Kinder und Jugendliche sind von dieser Erkrankung betroffen – bei ihnen liegt die Rate bei bis zu 10 Prozent. Eine Heilung der Erkrankung ist bis heute nicht möglich. Dennoch haben die Behandlungsmöglichkeiten inzwischen enorme Fortschritte gemacht.


Therapeutische Zuordnung
Neurodermitis ist eine Krankheit, die zum atopischen Formenkreis zählt. Auch Asthma bronchiale, Heuschnupfen und allergisch bedingte Bindehautentzündungen gehören zu diesem Kreis.


Krankheitsbild
Neurodermitiker weisen eine extrem trockene und besonders empfindliche Haut auf, die häufig rissig und schuppig ist. Die Ursache liegt in einer gestörten Barrierefunktion der Haut. Diese wiederum ist durch einen verringerten Fett- und Wasseranteil verursacht. Weil Neurodermitiker weniger Talg produzieren und auch weniger schwitzen als Menschen mit gesunder Haut, kann das wenige Fett schlecht über die Körperoberfläche verteilt werden.

Hinzu kommt, dass die erkrankte Haut Feuchtigkeit schlechter speichert und daher schneller austrocknet. Die daraus resultierende rissige Haut bildet dann keine wirksame Barriere mehr gehen Keime und chemische Reizstoffe. Viele Entzündungen der Haut sind die Folge. 


Ausbreitung
Neurodermitis kann den ganzen Körper betreffen. Das Gesicht, die Beugeflächen, die Knie, die Ellenbogen sowie die Hände sind jedoch am häufigsten betroffen. Das zentrale Problem bei Neurodermitis stellt der quälende Juckreiz dar. Er tritt periodisch auf und kann für die Betroffenen unerträglich werden. In der Folge kratzen oder reiben sich Neurodermitiker ständig. Meist ist deshalb auch der Schlaf gestört, was zu chronischer Übermüdung führen kann.


Kindliche Neurodermitis
Von Neurodermitis betroffene Kinder stellen nicht selten eine Belastung für die ganze Familie dar. Bei den Eltern, die den enormen Leidensdruck der Kinder erfahren müssen, kommt es immer wieder zu seelischer Erschöpfung und psychischen Ungleichgewichten.

Konventionelle Behandlungsformen der Neurodermitis sehen eine Basispflege mit Feuchtigkeit spendenden Salben und Cremes vor. Treten schwere Schübe von Entzündungen auf, so erfolgt der gezielte Einsatz von lokal angewandtem Kortison, um die Entzündungen zu hemmen. Der Neurodermitiker weiß, dass Kortisonsalben bei schweren Schüben sehr gut helfen können. Doch sind verschiedene Nebenwirkungen zu beachten.

Das große Problem bei Kortisontherapien liegt in ihrer zeitlich nur begrenzten Anwendbarkeit. Bei langfristigem Einsatz kommt es oft zu so genannten Hautatrophien, einer Rückbildung des Organs. Eine Verdünnung der Haut ist die Folge.


Therapie Alternativen
Inzwischen sind neue entzündungshemmende Wirkstoffe entwickelt worden. Diese bringen große Fortschritte für die Therapie der Neurodermitis.

Zu den hoffnungsvollsten Entwicklungen zählen einige Arzneimittel, die sehr schnell gegen Juckreiz und Ekzem wirken, und sogar die Anzahl neuer Ekzemschübe deutlich reduzieren können. Die Anwendung von Kortisonsalben, die bisher als unerlässlicher Bestandteil der Basistherapie galten, kann durch diese erheblich verringert, wenn nicht gar überflüssig werden.

Die Neuentwicklungen sind speziell zur Behandlung von akuten Entzündungsreaktionen der Neurodermitis geeignet. Klinische Studien zeigen, dass bei mehr als 60 Prozent der behandelten Kinder über eine Zeitspanne von sechs Monaten keine neuen Ekzemschübe einsetzten. Auch bei Erwachsenen und Kleinkindern zeigten sich die gleichen positiven Erfolge.


Uneingeschränkte Behandlungsdauer
Bezüglich der Behandlungsdauer unterliegen die jetzt entwickelten Präparate keinen Einschränkungen mehr. Eine Verdünnung der Haut, wie sie bei Kortisontherapien zu beobachten war, bleibt aus. Auch hinsichtlich der zu behandelnden Fläche und der angewandten Menge bestehen keine Einschränkungen. Dadurch ergeben sich ganz offensichtliche Vorteile für die Neurodermitis-Therapie.

Die neue Präparategeneration wird lokal als Creme appliziert und ist damit in der Handhabung ebenso unkompliziert wie die Kortisonsalben. Zwei Mal täglich werden die Präparate auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Dort ziehen diese schnell ein. Die Anwendung im Gesicht, am Hals oder anderen empfindlichen Bereichen bereitet keine Probleme. Insgesamt wurde den Wirkstoffen eine sehr gute Verträglichkeit nachgewiesen. Zu den beobachteten Nebenwirkungen der neuen Medikamentegeneration gehört lediglich eine schwache, kurz dauernde, zu Beginn einsetzende Hautreizung. Das damit verbundene Brennen verschwindet allerdings meist schon innerhalb weniger Tage.


Gute Verträglichkeit
Neurodermitis ist eine häufig auftretende Hauterkrankung, die mit einem extrem hohen Leidensdruck für die Betroffenen verbunden ist. Obwohl sich die Erkrankung meist bis zur Pubertät zurückbildet, und die Patienten dann weit gehend beschwerdefrei leben können, ist eine Heilung bis heute nicht möglich. Moderne Präparate erlauben jedoch eine wirkungsvolle Therapie auch ohne den Einsatz von Kortison.
 



© 2017 | Privatärztliche und Selbstzahler-Praxis Dr. Thomas Führer & Kollegen | Facharztpraxis für Hautkrankheiten und Allergologie
Dr. med. Thomas Führer | Dr. med. Pia Huber* | Dr. med. Mogan Mahloudjian* | Dr. med. Stefan Cebulla*

*Ärzte in Anstellung

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